Was genau ist der Mietendeckel?

War der sagenumwobene Grieche Diogenes von Sinope im Jahr 410 v. Chr. mit seiner Tonne der erste glück­liche Mieter oder Eigenheimbesitzer? Negativen Einfluss auf seine Intelligenz scheint seine Wohnraum­situa­tion jedenfalls nicht gehabt zu haben, wenn man die vielen Zitate von ihm richtig deutet. Lag seine Zufrieden­heit auch daran, dass damals von einem Mieten­deckel noch keine Rede war.

Erhitzte Diskussionen um Mietendeckel

Erregung kann in bestimmten Lebenssituationen ein angenehmes Gefühl sein. Bei Miet-Diskussionen sollte aber die Sachlichkeit überwiegen. Wie man überhaupt bei der Betrachtung dieses Themas äußerst vorsichtig sein muss, um nicht in den Hagel der gegenseitigen Beschuldigungen zwischen Mieter und Vermieter zu ge­ra­ten, die beim Austausch ihrer jeweiligen Glaubenssätze oft nicht gerade zimperlich und wenig sachlich ver­fahren. Eine einseitige Parteinahme für Mieter oder Vermieter ist hier an dieser Stelle nicht vorgehen und würde auch wenig helfen. Stattdessen soll versucht werden, die berechtigten Ansprüche beider Seiten sach­lich offenzulegen.

Ein Religionskrieg ist wenig hilfreich beim Mietendeckel

Aber Wohnungswirtschaft ist keine Religion, wo der Chef im Himmel seinen Schäfchen auf der Erde Wei­sun­gen erteilt, damit am Ende wieder alle gemeinsam im Himmel landen. Knapper und teurer Wohnraum ist das Ergeb­nis sehr irdischer Bedingungen und Maßnahmen, die manchmal vorsätzlich, manchmal unwissend und leichtfertig von der Gesellschaft und damit von der Politik geschaffen werden.

Dabei sollten die Interessen der beiden Parteien doch gar nicht so schwer zu definieren sein. Der Vermieter (als Einzelperson oder als Erbengemeinschaft
möchte in der Regel ein Haus oder eine Wohnung, die er zusätzlich zur eigenen, selbst bewohnten zur Verfügung hat, vermieten. Je nach Geschmack und Charakter und je nachdem, ob ihm die Höhe seiner Miet-Einnah­men oder das friedliche Zusammenleben seiner Mieter wichtiger erscheint, beides passt nur selten zusammen, fordert er dafür seine Miete von den Mietern. Inklusive aller anfallenden Kosten plus einen Aufschlag als Einkommen, um sein eigenes Leben zu bestreiten. Dabei sollte das Objekt über die normale Nutzung keinerlei Schaden nehmen.

Der Mieter möchte in der Regel in der ihm überlassenen Wohnung nach den Regeln des Mietvertrags gegen pünktliche Zahlung von Miete und Nebenkosten ein ruhiges und selbstbestimmtes Leben führen. Wenn möglich mit freundlichen Nachbarn, die ihm nichts Böses wollen.

So weit, so verständlich. Nehmen wir jetzt noch als Dritten auf dem Immobilien-Markt, den Selbstnutzer seines Eigenheims oder seiner Eigentums-Wohnung, dann haben wir die Mehrzahl der Parteien auf dem Wohnungsmarkt beisammen. Der Selbstnutzer könnte im Notfall als eine Art Vermittler gelten, der zwar nicht direkt beteiligt, aber doch über viel Sachkenntnis beider Seiten verfügt, denn meistens war er kurz zuvor selbst noch Mieter, kennt jetzt aber seit dem Kauf oder Bau eines eigenen Hauses auch viele Nöte eines Hausbesitzers und Ver­mie­ters.

Würden diese drei Parteien sich in einer Art IG (=Interessen-Gemeinschaft)-Wohnimmobilie zusam­men­finden und ein Art-Schiedsgericht schaffen, das die häufigsten Streitigkeiten auf kurzem Dienstweg klärt, wären manche, oft nur schwer verständliche Gesetze und die sich daraus ergebenden Gerichtsverfahren über­flüs­sig.

Weitere Player im Wohnungsmarkt

Von den zahlreichen weiteren Unternehmen, Kapitalanlegern und sonstigen Interessen, die leider nicht immer sehr transparent und nachvollziehbar auf dem Wohnungsmarkt nach den Regeln des Kapi­ta­lismus ihr „Anwe­sen“ betreiben, soll hier zunächst keine Rede sein, obwohl diese eine gewichtige Rolle spielen, aber umso schwerer einzuordnen sind. Wie das Wort „Player“ (deutsch: Spieler) ganz richtig zum Ausdruck bringt, sind deren „Deals“ auf dem Wohnungsmarkt zwar alles andere als durchsichtig, dafür aber umso wirk­mäch­tiger.

Aber was genau ist ein Mietendeckel?

Der ist im Grunde nichts anderes, als ein gesetzlicher Eingriff in die Gesetze von Angebot und Nachfrage, die ja als heilige Gesetze des Kapitalismus gelten. Doch kann man auf diese Weise die Biologie des Lebens regeln? Beispielsweise die Luft zum Atmen, das Wasser zum Trinken und ja, auch das Nest eines Vogels oder die Wohnung als Schlaf- und Lebensort von Menschen? Sein Zuhause!

Diese Frage bleibt weiterhin offen! Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit Suedimmo-Strohmaier erarbeitet.

Was genau ist der Mietendeckel?
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